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Kategorie: Wirtschaft

Chance für den Faktor Arbeit

Hat uns der Aufschwung unvorbereitet getroffen, gar überrascht? Welche Chancen werden sich ergeben, welche Risiken verstecken sich? In vielen Branchen sprechen wir heute gar wieder von Verkäufermärkten, die dadurch gekennzeichnet sind, dass Zulieferer immer stärker darauf Einfluss nehmen, welche Kapazitäten sie ihren alten und neuen Kunden zur Verfügung stellen und wie die Preise gestaltet werden. Parallel zu dieser mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr bekannten Erscheinung kommen höhere Kosten für Energie und Entsorgung und höhere Einstandspreise für Rohstoffe aufgrund einer weltweit steigenden Nachfrage. Sind viele Einkäufer mit ihrer Beschaffungspolitik in fernen Ländern gelandet, hören sie heute, dass auch hier die Fertigung ausgelastet ist und die Preise steigen, da die Volkswirtschaften dieser Länder Eigenbedarf für ihr oft zweistelliges Wachstum realisieren. Die Grundhaltung und die Aufgabenstellung für einen Unternehmer verlagern sich dadurch von der teilweisen Gängelung der Zulieferer bzw. des eigenen Personals und der vorrangigen Fokussierung auf Preise und Kosten auf die Sicherung von Fertigungskapazitäten und die Vermeidung allzu hoher Fluktuationsraten im Unternehmen. Die Unternehmen, die bisher in der eigentlichen Ausnahmesituation waren, sich im Einkauf und Ihren Mitarbeitern gegenüber fair zu verhalten und dieses auch umgesetzt haben, können heute von ihrer Einstellung profitieren. Damit ist bewiesen, dass auf lange Sicht und auf Qualität und Fairness abgestelltes Handeln und Tun den Unternehmenserfolg langfristig und nachhaltig sichert. Die Unternehmen, die mit Ihrer Einstellung vorstehende Philosophie in den vergangen Jahren nicht verfolgt haben, oder vielleicht aufgrund ruinöser Branchenstrukturen meinten nicht zu können, sind gezwungen, auf die Veränderungen zu reagieren. Hierbei werden Fragen aufgeworfen, die jahrelang eher kein Problem waren, wie: woher kriegen wir (qualifizierten) Ersatz für das Personal, welches uns verlässt und für das Personal welches wir zusätzlich brauchen und werden unsere Kunden Lieferverzögerungen und höhere Preise akzeptieren? Aus der Branche der Personaldienstleister hört man jedenfalls, dass ein äußerst rühriges und emsiges Bemühen um neue und alte Mitarbeiter eingesetzt hat. Ergibt sich hieraus auch noch eine letzte Chance für unsere über 40 und über 50-jährigen, wieder in der ersten Arbeitsmarkt einzusteigen? Wenn Ja, dann werden es nicht viele sein, die diese Lücken füllen können. Viele Deutsche haben sich heute auf Freizeit eingestellt oder arbeiten in Österreich, in Dänemark und wie man hört jetzt zusätzlich legalisiert, auch in der Schweiz. Werden sie zurückkommen? Nein, sicher nicht, ein paar Wenige ja – aber ist der Standort Deutschland für einen Arbeiter und einen Angestellten über den Aufschwung allein wieder attraktiv geworden? Ich sage Nein, da sich Einstellung und Respekt zu und vor dem Faktor Arbeit in den Köpfen vieler Unternehmer und vieler Politiker noch nicht grundlegend geändert hat.
Oberderdingen, den 19.06.2007 Gerd Schulz


Autor:
Gerd Schulz
gerd.schulz [at] mtgs.de



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