KU 2.1.1 Der Cash Flow Return on Investment (CFROI)
Der Cash Flow Return on Investment ist eine Kennzahl, die von der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen HOLT Planning Associates entwickelt wurde.[5] Bei der Ermittlung des CFROI werden „... die bekannten und akzeptierten Methoden der Investitionsrechnung auf die Messung der Performance von Geschäften übertragen.“[6] Er entspricht dem aus dem Cash-Flow-Profil eines Unternehmens oder Unternehmensbereiches ermittelten internen Zinsfuß und soll das Verhältnis des Brutto-Cash-Flows eines Geschäfts relativ zu dem darin investierten Kapital messen. Das Cash-Flow-Profil wird aus einem einzelnen Jahresabschluß ermittelt und umfaßt die Komponenten Bruttoinvestitionsbasis, den Nettowert nicht abschreibbarer Aktiva, den Brutto-Cash-Flow sowie die Nutzungsdauer des Sachanlagevermögens (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Berechnung des Cash Flow Return on Investment
(Quelle: Lewis, T. G. / Lehmann, S. (1992), S. 9)
Diese Größen werden folgendermaßen definiert:
Bruttoinvestitionsbasis
Die Bruttoinvestitionsbasis stellt das gesamte, zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Unternehmen investierte Kapital abzüglich der unverzinslichen Verbindlichkeiten dar.[7] Dabei wird von Wiederbeschaffungswerten ausgegangen. Dazu werden die kumulierten Abschreibungen zum Buchwert des Sachanlagevermögens addiert und auf den Betrachtungszeitpunkt inflationiert.[8] Die Boston Consulting Group zieht diese Berechnungsweise den tatsächlichen Wiederbeschaffungskosten vor, da deren Bestimmung einen unvergleichlich höheren Aufwand erfordern würde. Außerdem ergäbe sich das Problem, daß vor längerer Zeit angeschaffte Aktiva u. a. aufgrund des technischen Fortschritts kaum mit den heute verfügbaren Produktionsanlagen oder Geräten vergleichbar sind. Das bezieht sich sowohl auf den Preis als auch auf deren Produktivität. Noch dazu muß berücksichtigt werden, daß der Cash Flow mit Hilfe der älteren Maschinen generiert wurde, so daß es keinen Sinn machen würde, statt dessen bei der Berechnung des CFROI von den modernsten verfügbaren Produktionsanlagen auszugehen.[9]
Zur Bruttoinvestitionsbasis werden auch gemietete Gegenstände in Form von kapitalisierten Mietaufwendungen hinzugezählt. Lewis geht dabei von der Überlegung aus, daß große Teile der Anlagegüter geleast oder gemietet sind. Insbesondere bei Handelsunternehmen sei es üblich, Ladenlokale und Lagerflächen zu mieten und nicht zu kaufen. Damit trotzdem die Vergleichbarkeit mit anderen Geschäftseinheiten gewahrt bleibe, müßten diese Güter bei der Ermittlung des CFROI berücksichtigt werden.[10]
Die Berücksichtigung von erworbenem Goodwill bei der Bruttoinvestitionsbasis hängt vom Zweck der Analyse ab. Wenn man die Akquisition rückblickend als Investment beurteilen will, sollte der bezahlte Goodwill der Investitionsbasis zugerechnet werden. Falls aber die Beurteilung der Rentabilität des operativen Geschäfts im Mittelpunkt steht, sollte auf die Berücksichtigung von Goodwill verzichtet werden, um erworbene und selbst aufgebaute Bereiche vergleichbar zu machen. Andernfalls könnte durch die dann unter Umständen erheblich höhere Investitionsbasis die Rentabilität des Geschäftes optisch gemindert werden, was auch zum Unterbleiben einer Ressourcenallokation führen könnte.[11] Eine fiktive Aktivierung von selbst erarbeitetem Goodwill (z. B. F&E-Aufwendungen oder Werbung) wird von Lewis befürwortet, da dieser einen Teil des investierten Kapitals darstelle und sich in einer höheren Ertragskraft niederschlagen sollte.[12]
Das folgende Schema faßt die Vorgehensweise bei der Ermittlung der Bruttoinvestitionsbasis zusammen:
| Buchmäßige Aktiva | |
| - | nicht-verzinsliche Verbindlichkeiten |
| + | kumulierte Abschreibungen |
| + | Inflationsanpassung zum heutigen Geldwert |
| + | kapitalisierte Mietaufwendungen |
| - | evtl. entgeltlich erworbener Goodwill |
| + | evtl. selbst geschaffener Goodwill |
| = | Bruttoinvestitionsbasis |
Nettowert nicht abschreibbarer Aktiva
Die nicht abschreibbaren Aktiva bilden den Restwert der Zahlungsreihe. Sie setzen sich aus den Positionen Grund und Boden, Nettoumlaufvermögen und Finanzanlagevermögen zusammen.[13]
Brutto-Cash-Flow
Der Brutto-Cash-Flow ist definiert als Cash Flow vor Zinsen und nach Steuern, der um außergewöhnliche und aperiodische Positionen bereinigt wird. Dadurch werden die tatsächlich zur Verzinsung des eingesetzten Kapitals und zur Reinvestition zur Verfügung stehenden Mittel abgebildet. Er wird aus einem Jahresabschluß errechnet und dann über die Nutzungsdauer des Sachanlagevermögens konstant gesetzt.[14]
Mietaufwendungen werden dem Brutto-Cash-Flow hinzugerechnet, da gemietete oder geleaste Anlagegüter bereits durch die Kapitalisierung des Mietaufwandes bei der Investitionsbasis berücksichtigt wurden. Somit bleibt die Konsistenz zwischen Cash-Flow (Einnahme) und Investment (Ausgabe) gewahrt. Des weiteren empfiehlt Lewis die Korrektur einer Bilanzierung gemäß der FIFO-Methode (first in first out), da diese bei steigenden Preisen zu einer Unterschätzung des Wareneinsatzes führt, bzw. bei einer Verwendung der LIFO-Methode (last in first out), die zu einer Unterschätzung des Lagerwertes führt. Diese Korrektur ist allerdings nur in Ländern mit hohen Inflationsraten notwendig. Abschließend muß noch der Inflationsgewinn oder -verlust aus der Nettoliquiditätsposition im Cash Flow berücksichtigt werden. Bei der Nettoliquiditätsposition handelt es sich gemäß Lewis um den Saldo aus dem in den finanziellen Aktiva gebundenen Kapital abzüglich der nicht-verzinslichen Verbindlichkeiten. Falls dieser Saldo positiv ist, erleidet das Unternehmen im Zeitablauf einen Inflationsverlust.[15]
| Gewinn nach Steuern gemäß DVFA/SG | |
| + | Abschreibungen |
| + | Zinsaufwand |
| + | Miet- und Leasingaufwendungen |
| + | evtl. FIFO und LIFO-Anpassung |
| + | evtl. Inflationsgewinn/-verlust auf Nettoliquidität |
| = | Brutto-Cash-Flow |
Durchschnittliche Nutzungsdauer des Sachanlagevermögens
Da der CFROI für ein ganzes Unternehmen oder für eine einzelne Geschäftseinheit berechnet wird, ist die durchschnittliche Nutzungsdauer aller einzelnen Investitionen zu ermitteln.[16] Diese ergibt sich, in dem die historischen Anschaffungskosten des Anlagevermögens durch die jährliche lineare Abschreibung geteilt werden.[17]
Obwohl der Cash Flow Return on Investment als interner Zinsfuß berechnet wird, handelt es sich nicht um eine dynamische Betrachtungsweise. Wie Lewis betont, hat der CFROI, genau wie z. B. der ROI oder ROE, Stichtagscharakter.[18] Die Beurteilung eines Geschäftsbereiches oder eines Unternehmens anhand des CFROI darf sich daher nicht auf die Betrachtung eines Jahres beschränken, sondern es muß die Entwicklung über mehrere Perioden beobachtet werden.
(Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Fußnoten)
2.1.2 Die Discounted-Cash-Flow-Methode (DCF-Methode)
Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung
Admin 23:25, 4. Mai 2006 (CEST)