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KU 2.1.3 Der Ansatz des Economic Value Added (EVA)

Der Economic Value Added (EVA) wurde von dem Beratungsunternehmen Stern Stewart & Company entwickelt und mißt die von einem Unternehmen oder einem Geschäftsbereich während einer Periode geschaffene Wertsteigerung.

Zentrale Größe dieses Ansatzes ist „Stewart’s R“, ein Maß für die Rentabilität des investierten Kapitals. Stewart’s R entspricht dem Quotienten aus dem operativen Cash Flow nach Steuern und vor Zinsen (NOPAT - Net Operating Profit after Taxes) und dem investierten Kapital (Total Capital Employed):


Bild:ku_formel8.gif


Der operative Cash Flow nach Steuern und vor Zinsen ist das um buchhalterische Verzerrungen bereinigte operative Ergebnis und kann gemäß folgendem Schema berechnet werden:[49]


Net Operating Profit (Betriebsergebnis)
+ Änderung der Wertberichtigungen auf Forderungen
+ Änderung der Differenz zwischen Ansatz der Vorräte mit der LIFO-Methode gegenüber der FIFO-Methode
+ Abschreibungen von Goodwill
+ Änderung des Barwertes kapitalisierter F&E-Aufwendungen
+ sonstige betriebliche Erträge
+ Änderung der sonstigen Rückstellungen
+ Vorlaufkosten (Explorationskosten, Markterschließungskosten) und außerordentliche Verluste / Gewinnminderungen nach Steuern
- finanzwirksame Steuern auf das Betriebsergebnis (cash operating taxes)
= operativer Cash Flow nach Steuern und vor Zinsen (NOPAT)


Beim Betriebsergebnis (Net Operating Profit) ist zu beachten, daß Abschreibungen hier bereits berücksichtigt sind, obwohl sie nur kalkulatorischen Aufwand darstellen. Stewart begründet das damit, daß Abschreibungen Ersatzinvestitionen entsprechen, die zur Erhaltung der Vermögensbasis notwendig sind und aus dem betrieblichen Cash Flow bezahlt werden müssen. Ein anderer Aspekt ist der, daß falls Anlagegüter geleast sind, die Leasingrate neben Finanzierungskosten auch den Aufwand des Leasinggebers für die Abschreibung des Gutes enthält, den Abschreibungen also finanzwirksame Aufwendungen gegenüberstehen.[50]

Die Differenz zwischen dem Ansatz der Vorräte mit der LIFO-Methode gegenüber der FIFO-Methode ist zu berücksichtigen, um Unternehmen oder Geschäftsbereiche, die unterschiedliche Methoden verwenden, vergleichbar zu machen. Stewart hält die FIFO-Methode (first in - first out) für besser geeignet um Unternehmen zu bewerten, da die Vorräte hierbei mit den aktuellsten Preisen angesetzt werden. Bei Anwendung der LIFO-Methode (last in - first out) hingegen werden bei steigenden Preisen die Lagerbestände zu niedrig bewertet. Dabei ergibt sich zwar eine Steuerersparnis, aber die niedrigere Investitionsbasis führt zu einer Überschätzung der Rentabilität des Unternehmens. Diese Verzerrung soll durch die Berücksichtigung der Differenz zwischen beiden Bewertungsmethoden eliminiert werden. Der positive Effekt der Steuerersparnis bleibt dabei unberührt.[51]

Abschreibungen auf den derivativen Geschäftswert (Goodwill) sind bei der Ermittlung des NOPAT zu berücksichtigen, da diesen im Gegensatz zu den Abschreibungen auf Sachanlagevermögen (s. o.) keine Erweiterungsinvestitionen gegenüberstehen und sie damit keinen Cash-Outflow darstellen.[52]

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sollten nach Stewart kapitalisiert und über die erwartete Nutzungsdauer des Projektes abgeschrieben werden.[53] Dadurch wird zum einen eine Glättung des NOPAT erreicht, zum anderen erhöht sich die Investitionsbasis, so daß die Rentabilität nicht illusorisch gesteigert wird.[54]

Ähnliches trifft auch für Vorlaufkosten wie Markterschließungskosten oder Explorationskosten zu. Auch diese stellen eine Art Investment dar, so daß sie nicht als sofort gewinnmindernde Aufwendungen behandelt werden sollten.[55]

Bei der Ermittlung des investierten Kapitals ist analog vorzugehen, damit beide Größen konsistent sind:


Buchwert des Anlagevermögens
+ Buchwert des Umlaufvermögens
- Nicht verzinsliche, kurzfristige Verbindlichkeiten
- Marktgängige Wertpapiere
- Anlagen im Bau[56]
+ Wertberichtigungen auf Forderungen
+ Differenz zwischen Bewertung der Vorräte mit der LIFO-Methode gegenüber der FIFO-Methode
+ kumulierte Abschreibungen von Goodwill
+ kapitalisierte Miet- und Leasingaufwendungen
+ kapitalisierte F&E-Aufwendungen
+ kapitalisierte Vorlaufkosten und kumulierte außerordentliche Verluste nach Steuern
= Investiertes Kapital (Total Capital Employed)


Stewart’s R allein sagt allerdings noch nicht allzuviel über die Rentabilität eines Unternehmens aus. Um Wert zu schaffen, muß R zusätzlich über den Gesamtkapitalkosten liegen. Je höher der Spread zwischen Stewart’s R und den Kapitalkosten ist, um so profitabler ist das Geschäft. Die tatsächliche Wertsteigerung läßt sich anhand des EVA schätzen, indem der Spread mit dem investierten Kapital multipliziert wird:[57]


Bild:ku_formel9.gif


In dieser Kennzahl werden alle Größen, die Einfluß auf den Unternehmenswert haben, erfaßt. So steigt EVA, wenn:[58]


1. Stewart’s R steigt, d. h. mit dem gleichen investierten Kapital wird ein höherer Ertrag erwirtschaftet; 2. zusätzliches Kapital in Projekte investiert wird, deren Rentabilität über den Kapitalkosten liegt; 3. Kapital aus Bereichen abgezogen wird, die nicht rentabel genug sind.


Der zweite Punkt impliziert weiterhin, daß auch in Projekte investiert werden soll, die durch eine positive Verzinsungsspanne den EVA erhöhen, obwohl durch diese Investition möglicherweise die Gesamtrentabilität sinkt.[59] Bei ausschließlicher Renditeorientierung würde eine solche Investition sicher unterlassen werden, um nicht die Rentabilität des Unternehmensportfolios zu gefährden.

In der bisher vorliegenden Form hat der Economic Value Added als absoluter Wert den Nachteil, daß Unternehmen oder Geschäftsbereiche verschiedener Größe nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Hier hilft man sich mit der Standardisierung des EVA, indem das investierte Kapital für alle zu vergleichenden Unternehmen auf ein Basisjahr bezogen wird:[60]


Bild:ku_formel10.gif


Das Konzept des Economic Value Added steht in nahem Zusammenhang mit dem Discounted-Cash-Flow-Ansatz. So läßt sich aus prognostizierten EVA’s ebenso wie aus dem Free Cash Flow der Unternehmenswert bestimmen:[61]


Bild:ku_formel11.gif


Der Ansatz des Economic Value Added ist somit nur eine andere Darstellungsweise der DCF-Methode. Während aber der DCF-Ansatz eher zur Bewertung von Unternehmen oder von Auswirkungen zukünftiger Projekte dient, ist der EVA eher für eine ex-post-Betrachtung konzipiert. Er soll die Auswirkung von Strategieänderungen auf die Performance von Unternehmen oder Unternehmensbereichen rückwirkend beurteilen und kann daher auch als Maßstab für ein erfolgsabhängiges Bonussystem genutzt werden.[62]


(Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Fußnoten)


2.2 Marktwert- / Buchwert-Verhältnisse


Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung


Admin 23:26, 4. Mai 2006 (CEST)


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