KU 3.1.1.1 Bereinigungen bei Industrie- und Handelsunternehmen
Die Strukturbilanz orientiert sich im wesentlichen an der Gliederung der vorliegenden Bilanzen. Die Bereinigung beschränkte sich hauptsächlich auf die Kürzung um rein bilanzverlängernde Positionen und die Korrektur des ausgewiesenen Eigenkapitals. Die meisten Positionen wurden unter Oberbegriffen zusammengefaßt, sofern die darauf basierende Berechnung der Kennzahlen nicht eine einzelne Berücksichtigung notwendig machte.
Nach der Korrektur ergab sich für das Eigenkapital folgendes Schema:
| Grundkapital | |
| + | offene Rücklagen |
| + | Unterschiedsbetrag aus Kapitalkonsolidierung |
| + | Anteile im Fremdbesitz |
| + | 50 % der Sonderposten mit Rücklageanteil |
| - | Bilanzverlust |
| - | ausstehende Einlagen |
| - | eigene Aktien |
| - | aktiviertes Disagio |
| = | bereinigtes Eigenkapital |
Die Addition des geschätzten Eigenkapitalanteils der Sonderposten mit Rücklageanteil in Höhe von 50 % unterstellt eine Steuerbelastung von 50 % für diese Bilanzposition. Analog wird der Steueranteil dem Fremdkapital hinzugerechnet.[96]
Der ausgewiesene Bilanzgewinn wird dem Fremdkapital zugeschlagen, da er in der Regel der Dividendenzahlung entspricht und damit eine Verbindlichkeit darstellt.[97] Ein Bilanzverlust hingegen führt direkt zu einer Verminderung des Eigenkapitals und wird daher auch an dieser Stelle berücksichtigt.
Bei der Ermittlung des Fremdkapitals wurde insbesondere auf die Hinzurechnung der „Erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen“ Wert gelegt. Normalerweise wird diese Position auf der Aktivseite mit den ausgewiesenen Vorräten saldiert. Dies führt aber zu einer Verkürzung der Bilanzsumme und somit zu einer optischen Erhöhung der Eigenkapitalquote.
Das Fremdkapital umfaßt damit folgende Bestandteile:
| Bilanzgewinn (Dividende) | |
| + | 50 % der Sonderposten mit Rücklageanteil |
| + | Pensionsrückstellungen |
| + | andere Rückstellungen |
| + | erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen |
| + | Verbindlichkeiten |
| + | Passive Rechungsabgrenzungsposten |
| = | bereinigtes Fremdkapital |
Zusätzlich wurden noch Unterscheidungen in kurzfristige und unverzinsliche Fremdkapitalbestandteile vorgenommen.[98]
Die Aktivseite ergibt sich schließlich nach Berücksichtigung der beim Eigen- und Fremdkapital vorgenommenen Bereinigungen aus folgenden Positionen:
| immaterielle Vermögensgegenstände | |
| + | Sachanlagevermögen |
| + | Finanzanlagevermögen |
| + | Anlagevermögenähnliche Posten |
| + | Vorräte (ohne Berücksichtigung der erhaltenen Anzahlungen) |
| + | Forderungen |
| + | Wertpapiere und Schuldscheine |
| + | flüssige Mittel |
| + | Aktive Rechnungsabgrenzungsposten |
| = | Aktiva nach Bereinigung |
Beim Umlaufvermögen wurde wie beim Fremdkapital ferner zwischen kurz- und langfristigen Positionen unterschieden.
Eine Bereinigung des Jahresüberschusses um aperiodische und außergewöhnliche Erfolge wurde nicht vorgenommen. Während diese Korrektur bei der Anwendung von einperiodischen Kennzahlen zur Bilanzanalyse durchaus notwendig ist, erschien sie für hiesige Zwecke unpraktikabel. So wird bei der Anwendung der Discounted-Cash-Flow-Methode der Unternehmenswert durch die Diskontierung der Free Cash Flows der einzelnen Perioden bestimmt. Da der Freie Cash Flow bei der vorgenommenen Untersuchung retrograd aus dem Jahresüberschuß errechnet wird, würde eine Bereinigung um aperiodische Größen den ermittelten Cash Flow unter Umständen stark beeinflussen. Die herausgerechneten Positionen müßten anderen Perioden zugerechnet werden, allerdings läßt sich diese Zuordnung aufgrund der unzureichenden Informationen bei externen Analysen kaum treffen. Die aperiodischen Erfolge würden also unberücksichtigt bleiben. Hier wurde die Second-Best-Lösung gewählt, daß diese Erfolgsbestandteile in die Berechnung der Free Cash Flows der Geschäftsjahre einfließen, in denen sie in der Bilanz ausgewiesen wurden. Damit weicht zwar deren Barwert ab, dieser Fehler dürfte aber geringfügiger sein als eine vollständige Vernachlässigung.
Für außergewöhnliche Aufwendungen und Erträge gilt, daß diese auf Geschäftsbereichsebene nicht mit in die Kennzahlenanalyse einbezogen werden sollten, um verschiedene Bereiche miteinander vergleichbar zu machen. Bei der Betrachtung eines Gesamtunternehmens jedoch dürften (erwartete) Erträge aus Firmen- oder Grundstücksverkäufen auch den Aktienkurs und damit den Unternehmenswert beeinflussen. Somit sollten Sie auch in der Analyse Berücksichtigung finden.
(Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Fußnoten)
3.1.1.2 Besonderheiten bei Banken und Versicherungen
Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung
Admin 23:28, 4. Mai 2006 (CEST)
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