KU 3.2.1.3 Sensitivitätsanalyse
Die Sensitivitätsanalyse wurde mit einer Stichprobe von zehn Jahresabschlüssen des Geschäftsjahres 1995 durchgeführt. Es sollte untersucht werden, wie sensibel der errechnete CFROI und der Korrelationskoeffizient auf Änderungen der Inflationsrate und der Wachstumsrate reagieren. Aus dem Ergebnis läßt sich abschätzen, wie stark durch eine ungenaue Ermittlung dieser Werte die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt.
Ausgangspunkt war die über den gesamten Betrachtungszeitraum errechnete mittlere Inflationsrate von 2,31 % sowie die für die einzelnen Unternehmen individuell bestimmten mittleren Wachstumsraten. Bei dieser Konstellation ergab sich ein Korrelationskoeffizient von 83,73 % (R2 = 70,11 %) und ein über alle Unternehmen gemittelter CFROI von 7,44 %. Dies bestätigt auch die oben bereits erwähnte Vermutung, daß der Umfang der Stichprobe einen entscheidenden Einfluß auf das Resultat der Analyse hat.
In einem ersten Schritt wurde nun die Inflationsrate zwischen null und 150 % ihres Wertes variiert. Die Auswirkungen auf den CFROI und den Korrelationskoeffizienten ist in Abbildung 9 dargestellt.

Abb. 9: Einfluß von Änderungen der Inflationsrate auf den CFROI und den Korrelationskoeffizienten
(eigene Darstellung)
Wie erkennbar ist, hat eine ungenaue Bestimmung der Inflationsrate kaum einen signifikanten Einfluß auf den Korrelationskoeffizienten. Der Betrag des CFROI allerdings reagiert sehr sensibel auf Änderungen der Inflationsrate. Die Ursache dafür liegt in der Ermittlung der Nutzungsdauer des Sachanlagevermögens bei linearer Abschreibung nach dem BCG-Algorithmus und der darauf basierenden Inflationsanpassung der Bruttoinvestitionsbasis. Eine hohe Inflation wirkt damit stark positiv auf den Wert der Bruttoinvestition. Dadurch sinkt natürlich der interne Zinsfuß des Cash-Flow-Profils. Für die Anwendung in der Praxis bedeutet das, daß eine möglichst genaue Schätzung der einzubeziehenden Inflationsrate unerläßlich ist. Im Zweifelsfall sollte deren Wert eher niedrig gewählt werden, um Verzerrungen bei der Investitionsbasis zu vermeiden.
Da auch die Bestimmung der Wachstumsrate des Anlagevermögens zu Fehlern führen kann, wurde als nächstes deren Einfluß auf die beiden Größen Korrelationskoeffizient und mittlerer CFROI untersucht. Dazu wurden analog zu der obigen Vorgehensweise die Wachstumsraten aller Unternehmen der Stichprobe zwischen null und 150 % ihres Ausgangswertes variiert (Abb. 10).

Abb. 10: Abhängigkeit des CFROI und des Korrelationskoeffizienten von der Wachstumsrate des Anlagevermögens
(eigene Darstellung)
Wie das Resultat zeigt, hat die Wachstumsrate des Anlagevermögens im Gegensatz zur Inflationsrate offenbar einen weitaus höheren Einfluß auf das Ergebnis der Analyse. Der Grund für das Ansteigen des CFROI bei steigender Wachstumsrate ist wieder in der Inflationsanpassung der Bruttoinvestitionsbasis zu sehen. Bei hohen Wachstumsraten sind die meisten Aktiva noch relativ neu und der Anteil des Vermögens, der über einen längeren Zeitraum inflationiert werden muß, ist gering. Daher wirkt sich die Inflation nicht so stark auf den Wert der Investitionsbasis aus wie bei niedrigerem Wachstum.
Außer dem CFROI wird auch der Korrelationskoeffizient stark von der Wachstumsrate des Anlagevermögens beeinflußt. Es erscheint daher angebracht, bei deren Ermittlung möglichst genau vorzugehen. Dabei sollte aber immer zwischen Aufwand und Nutzen abgewogen werden. Da der Vorteil des CFROI dessen gute Kommunizierbarkeit ist, sollte die Berechnung nicht unnötig verkompliziert werden. So dürfte es in einigen Fällen ausreichen, die Wachstumsrate niedrig anzusetzen oder zu vernachlässigen, ohne daß ein nachteiliger Einfluß auf die Aussagefähigkeit des Cash Flow Return on Investment zu befürchten ist.
(Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Fußnoten)
Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung
Admin 23:29, 4. Mai 2006 (CEST)