WS 2.2 Das staatliche Geldmonopol
Ist das staatliche Geldmonopol jeder wettbewerblichen Variante der Geldversorgung überlegen? Sind die Inflationsgefahren bei wettbewerblichen Varianten größer? Zur Beantwortung dieser Fragen werden als erstes die Vor- und Nachteile der staatlichen Monopollösung untersucht.
Einer der Vorteile der staatlichen Monopollösung ist darin zu sehen, daß es ein gesetzliches Zahlungsmittel gibt. Der Staat erklärt eine bestimmte Form des Geldes zum gesetzlichen Zahlungsmittel, für das somit ein Annahmezwang besteht. Die Tauschwirtschaft wird nicht durch eine unübersichtliche Vielzahl von parallel existierenden Zahlungsmitteln behindert. Die daraus resultierende Vergleichbarkeit der Preise ist eine angenehme Begleiterscheinung.[11]
Ein zweiter Vorteil ist der Gewinn, welcher bei der Emission von Geld entsteht. Bei der Ausgabe von Münzen entsteht ein Münzgewinn, da diese unterwertig sind. Der Gewinn resultiert aus der Differenz zwischen den Kosten der Prägung und dem aufgeprägten Nominalwert der Münzen. Banknoten werden durch die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht, welche für die Bereitstellung der Noten Zinsen an die Zentralbank zahlen. Dieser Münzgewinn ist zwar keine Rechtfertigung für ein staatliches Geldmonopol, doch stellt es die einfachste Möglichkeit dar, diesen Gewinn dem Staat zuzuführen.[12]
Der dritte und entscheidende Vorteil wird in der Qualität des Geldes gesehen. Einerseits garantiert eine allgemein anerkannte Autorität, der Staat, für die Echtheit der Münzen und Noten. Andererseits wird aus der Tatsache, daß der Staat eine bestimmte Form des Geldes zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt, die Verantwortung des Staates abgeleitet, für die Qualität des gesetzlichen Zahlungsmittels zu sorgen. Hiermit wird die Notwendigkeit eines staatlichen Geldmonopols begründet. Der Staat kann die Qualität des Geldes am verläßlichsten garantieren, wenn er das Monopol der Geldproduktion besitzt.[13]
Aber natürlich besitzt das staatliche Geldmonopol auch Nachteile. Warum sollten die europäischen Staaten die relativ hohen Risiken einer europäischen Währungsunion eingehen, ihr nationalstaatliches Geldmonopol aufgeben, wenn es an diesem nichts auszusetzen gäbe?
"Die alles verändernde Entscheidung liegt darin, daß die Nationalstaaten des wirtschaftlich maßgeblichen Teils Europas zu einem Geld übergehen wollen, das sie selbst nicht mehr herstellen können. [...] Gutes Geld, Geld von verläßlich vorhersehbarem Wert, von außen vorgegeben für alle, diese fundamentale Ordnungsbedingung [...] ist das wichtigste Band für einen Staatenbund."[14]
Es sind die Nachteile eines jeden Monopols. Dieser Markt besitzt keine Ausweichmöglichkeiten. Das staatliche Geldmonopol verhindert bessere Methoden der Geldversorgung und es verringert den Anreiz zur eigenen Weiterentwicklung, da es keiner Konkurrenz ausgesetzt ist. Einer der wichtigsten Nachteile des staatlichen Geldmonopols geht in Richtung seines entscheidenden Vorteils. Der Staat hat nicht nur die besten Voraussetzungen zur Sicherung der Geldwertstabilität, er hat auch einen großen Anreiz, den Geldwert nicht zu stabilisieren und seinen Staatshaushalt über eine unerwartete Inflation zu finanzieren.
Hayek untersuchte in seinem 1976 erschienen Buch "Entnationalisierung des Geldes" die Möglichkeiten einer Inflationsbeseitigung durch die Abschaffung des staatlichen Notenmonopols. Sehr viel Kritik gab es für den Vorschlag, das staatliche Geldmonopol durch Unternehmen zu ersetzen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Kritisiert wird an der Übertragung des Geldmonopols auf konkurrierende Unternehmen die Gefahr einer "run-away" Inflation. Dies bedeutet, daß ein Unternehmen einen Anreiz haben könnte, seine Geldmenge so stark wie möglich auszuweiten. Alle anderen konkurrierenden Unternehmen hätten ebenfalls einen Anreiz, ihr Geld künstlich zu inflatieren. Die Gefahr ist sehr real, da dies mit einer Erhöhung der Gewinne verbunden wäre und in einen Inflationswettlauf münden würde. Hieraus wird abgeleitet, daß das Geld in die Domäne des Staates gehört, der für die Güte und Sicherheit des Geldes sorgt und den mengenmäßigen Umlauf regelt. Es ist auch bezeichnend, daß nicht einmal den Physiokraten, die das Wort vom "laissez-faire"[15] aufbrachten, der Gedanke einer Geldschaffung nach dem Prinzip der freien Konkurrenz kam.[16]
Die Vertreter der Ansicht, das Geldmonopol müsse in die Hände konkurrierender Unternehmen übergeben werden, müssen sich zu recht mit dem Vorwurf auseinandersetzen, daß sie ein geldpolitisches Chaos heraufbeschwören. Es erscheint allerdings fragwürdig, ob die Idee eines privaten, unregulierten Geldmonopols genauso einfach verworfen werden kann. Entscheidende Vorteile eines solchen Unternehmens können darin gesehen werden, daß dieses Unternehmen völlig unabhängig wäre, keinen Wahlzyklen seiner Mitglieder unterliegen würde und daß seine Handlungen nicht ideologisch bestimmt wären.
Dittus hat in seinem Buch[17] die Frage untersucht, welche Auswirkungen eine Übertragung des staatlichen Notenmonopols auf ein unreguliertes, privates Monopol hätte. Er geht dabei davon aus, daß es sich bei dem privaten Monopol um eine gewinnmaximierende Unternehmung handelt. Von besonderem Interesse hierbei ist, bei welcher Inflationsrate sie ihren Gewinn maximiert. Im Unterschied zu einem Bankensystem unter Konkurrenzbedingungen hat das Monopol keinen Anreiz, die Notenausgabe so stark wie möglich zu steigern. Sie kann ihren Gewinn unter der Restriktion der Notennachfrage maximieren.[18]
Dittus' Analyse führt zu dem Ergebnis, daß die Abschaffung des staatlichen Notenmonopols nicht zwangsläufig mit einer "run-away" Inflation verbunden ist. Bei Gewinnmaximierung ergibt sich eine konstante und relativ geringe Inflationsrate, welche sogar unter null liegen kann. Friedmann zeigte dies 1971 für plausible Geldnachfragefunktionen. Das private Monopol würde zwar nicht nach den Optimalitätskriterien arbeiten, aber das von ihm angebotene num´eraire[19] bräuchte einen historischen Vergleich mit dem vom Staat emitierten Papiergeld nicht zu scheuen.[20]
Das Problem bei dieser Analyse ist, daß auch das private Monopol dem Anreiz ausgesetzt ist, durch eine kurzfristige Überraschungsinflation höhere Gewinne zu erzielen. Das bedeutet, daß ständig Unsicherheit darüber herrschen würde, ob das Monopol diesem Anreiz nachgibt oder nicht. Diese Unsicherheit ist aber bei einem staatlichen Geldmonopol ebenfalls gegeben.
Sowohl der Anreiz zur inflationären Geldpolitik, als auch die Unsicherheit, das Monopol könnte diesem Anreiz nachgeben, sind beim staatlichen und beim unregulierten, privaten Geldmonopol identisch. Dennoch gibt es Ökonomen, die von der Schaffung einer Politischen Union abraten, um die Möglichkeit der Schaffung eines Geldes ohne Staat wahrnehmen zu können.[21] Zwar ist diese Lösung nicht identisch mit der Schaffung eines unregulierten, privaten Geldmonopols, aber sie macht sich einige ihrer Vorteile zu eigen. Die Schaffung von Geld ohne Staat bedeutet, die Geldpolitik über die anderen Bereiche der Wirtschaftspolitik auf eine supranationale Ebene zu stellen. Fröhlich vertritt in diesem Zusammenhang die Meinung, daß die Verringerung der Einflußmöglichkeiten der Politik und der Tarifparteien auf die Geldpolitik, diese nicht nur entpolitisieren, sondern deren Effizienz auch noch erhöhen würde. Die Effizienz der Geldpolitik und die Stabilität des Geldwertes bedürfen aus theoretischer Sicht nicht der Errichtung der Politischen Union.
2.3 Stellung und Aufgaben der Notenbank
(Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Fußnoten)
Stefan 18:11, 5. Mai 2006 (CEST)